Ikonen. / Icons.

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Das Wissen/Die Sünde // Knowledge/Sin

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Das Selbstopfer/Die Sünde // Self-Destruction/Sin

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Das Tier/Die Sünde // Beast/Sin

Die Serie „Ikonen“ nimmt Elemente und Darstellungsformen der griechisch-orthodoxen Ikonenmalerei auf. Dabei zeigen die Bilder die für mich als „Sünden“ definierten Elemente Wissen, Selbstopfer und die Diffamierung von Eigenständigkeit als Bösem – alles Themenbereiche, die in religiösen Ideologien problematisiert werden. Die Bezeichnung „Sünde“ ist eine bewusste Zuspitzung.

Bild 1: Das Wissen/Die Sünde: Wissen und Glauben stehen sich im Grunde diametral gegenüber. Wer weiß, braucht nicht zu glauben. Wissen und Denken führen zu Kritik, Zweifel und Hinterfragen. Nicht umsonst hatten und haben alle Religionen Schwierigkeiten mit Wissen und Bildung in der Bevölkerung, führen diese doch in Konsequenz zu Kritik an falschen oder zweifelhaften Behauptungen, Mythen und Bräuchen und rühren damit an Grundfesten einer religiösen Ideologie.

Bild 2: Das Selbstopfer/Die Sünde: Christen, wie Angehörige der meisten Religionen, sind berufen, ihr Leben für Gott zu leben. Die Bibel betrachtet Selbstmord wie Mord. Gott ist derjenige, der entscheidet wann und wie ein Mensch sterben soll. Diese Entscheidung selbständig zu treffen, entspricht Gotteslästerung. Viele Religionen lehnen Selbst- mord ab, Selbstmord ist Eigenmächtigkeit und Nicht-Unterwerfung unter das Dogma der Religion. Ähnlich wie beim Thema Wissen und Bildung haben religiöse Gemeinschaften Interesse daran, dass Gläubige unhinterfragt glauben und keine eigenständigen Grundsatzentscheidungen treffen. Das Individuum, die Eigenständigkeit und der Zweifel sind die Achillesferse der Religionen.

Bild 3: Das Tier/Die Sünde: Gebote wirken nicht ohne die Androhung von Konsequenzen für diejenigen, die Geboten nicht folgen wollen oder dieser Versuchung unterliegen. Je drastischer diese Drohkulisse, umso wirksamer, so scheint es. Die Idee ist simpel: Gefolgsamkeit durch Angst – Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit als verbotene Versuchung. Diese Rezepte wirken bis heute in allen Religionen, auch in der christlichen – selbst, wenn die Vorstellung von Hölle und Teufel in vielen Konfessionen im gelebten religiösen Alltag eine inzwischen untergeordnete Rolle spielt. Seit jeher werden sowohl Versuchung als auch die Abkehr von Gott in Zusammenhang mit Tiergestalten gebracht: Schlange, Ziegenbock, Drachen, Pferd, Fledermaus etc.

© „Ikonen.“ Eine fotografische Serie von Norman Hera

 

The series „Icons“ inhabits elements and illustrative aspects of greek-orthdox icon painting. The photographs show elements i define „sins“: namely knowledge, suicide and the defamation of independence as the embodiment of evil – all part of a problematic treatment and discourse within religious ideologies. To call them sins is a deliberate aggravation.

Knowledge/Sin: Knowledge and Faith are basically diametrically opposed to one another. Those who know, do not have to have faith. Knowledge, thinking and education lead to criticism and doubt. All religions find it difficult to deal with educated people since they tend to challenge myths and rituals and therefore shake the foundations of religious ideologies.

Self-Destruction/Sin: Christians are to live their lives for God. The Bible treats suicide like murder. Only God decides, how and when a human being dies. For a human to decide that aspect on ones own is considered blasphemy. Most religions regard self-destruction as sinful, it is a sign of autonomy and lack of obedience to the dogma of religion. Like in the case of knowledge and education religious communities are interested in having their flock believe without doubt and unable or unwilling to act self-oriented. Individuality, autonomy and doubt seem to be the Achilles’ heel of religions.

The Beast/Sin: Commandments are nothing without the threat of consequences if not being followed. The more drastical the threat, the more effective. The idea is simple: Obedience through fear – autonomy and self-determination as forbidden temptations. These recipes are still being used to this day, even if the concept of hell and the devil has ceased to play more than a minor part in most confessions. It seems to have a tradition among religions that temptation and the rejection of God have been associated with animal forms: snake, goat, dragon, horse, bat etc.

© „Icons.“ A photographic series by Norman Hera